Ein Umsatz von knapp 13,6 Milliarden Euro zum Ende des dritten Quartals 2007 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die deutschen Bau- und Heimwerkermärkte in den zurückliegenden Sommermonaten die Konsequenzen einer hohen Kaufzurückhaltung zu tragen hatten.
Die teils kräftigen Zugewinne aus den ersten vier Monaten sind aufgebraucht. Nach neun Monaten liegt der Bruttoumsatz der Branche auf unbereinigter Fläche mit einem Plus von 0,5 Prozent in etwa auf Vorjahresniveau. Bereinigt um die Umsatzveränderungen der neu eröffneten bzw. geschlossenen Märkte rutscht die Branche allerdings ins Minus. Gegenüber den ersten neun Monaten des Vorjahres gingen die Bruttoerlöse flächenbereinigt um 1,6 Prozentpunkte zurück.
Selbst der erfolgsverwöhnte grüne Sektor konnte sich im dritten Quartal dem allgemeinen Trend nicht entziehen und büßte Umsatz ein. Ein ungemütlich kalter Sommer schränkte die Freude an Freizeitaktivitäten im Freien oder an lauschigen Grill- und Gartenpartys stark ein.
Dennoch zählen die Gartenabteilungen der Baumärkte bisher zu den Gewinnern des Jahres 2007. In den Frühjahrsmonaten wurde dafür der Grundstein gelegt mit teilweise rekordverdächtigen Steigerungsraten. Die Warengruppe Gartenhartware liegt nach neun Monaten mit 6,6 Prozent im Plus; bei den Gartenmöbeln und im Segment Gartendekoration verzeichnet das aktuelle DIY-Panel ein Plus von 6,5 Prozent.
Mit Elektroartikeln wie Lampen und Leuchten (+4,2 Prozent) oder der Warengruppe Baustoffe und Bauchemie (+3,3 Prozent) ließ sich ebenfalls der Umsatz steigern und auch klassische Baumarktsortimente wie Eisenwaren oder Werkzeuge und Maschinen haben auf unbereinigter Fläche zulegen können.
Etwa die Hälfte der vom DIY-Panel erfassten 15 Hauptwaren-gruppen fällt dagegen hinter das Vorjahr zurück. In den Sanitärabteilungen wurde 4,5 Prozent weniger umgesetzt, im Sortiment Fliesen fehlen rund vier Prozent auf den Umsatz des Vorjahres. Am deutlichsten verfehlte die Warengruppe Freizeit, Basteln, Werken (-18,7 Prozent) die Vorgabe aus dem Jahr 2006. Aller-dings trug diese Warengruppe in der Vergangenheit nur rund zwei Prozent zum Gesamtumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte bei.
Die Baumarktbranche wie auch er gesamte Einzelhandel mussten im Jahr 2007 die Erwartungen zurückschrauben. Wie nicht anders zu erwarten, haben die Steuererhöhungen die Konsumfreude gebremst. Einige Ökonomen befürchten, dass die Teuerungsrate in Deutschland bis Jahresende auf drei Prozent steigen könnte. Seit dem Wegfall der Eigenheimzulage herrscht zudem Flaute im Wohnungsbau. Von Januar bis September wurde laut Statistischem Bundesamt der Bau von 136.000 Wohnungen genehmigt. Das waren 31,4 Prozent oder 62.100 Baugenehmigungen weniger als vor einem Jahr. Besonders deutlich nahm die Zahl der genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser mit minus 39,8 beziehungsweise minus 42,6 Prozent ab.
Deutliche Signale aus der Politik gefordert
Viele Arbeitnehmer müssen im Ruhestand mit deutlich geringeren Einkünften rechnen als heutige Rentner. Wer im Alter zusätzlich durch hohe Mietzahlungen belastet wird, gleitet schnell in die Altersarmut ab. Daher fordert der BHB die Aufnahme von Wohneigentum in die staatlich geförderte private Altersvorsorge. Die eigenen vier Wände genießen bei den Menschen einen hohen Stellenwert. Sie wollen sich damit den Wunsch nach mietfreiem Wohnen im Alter erfüllen.
Unter der staatlich verordneten Flaute im Wohnungsbau leidet auch die Wirtschaft, allen voran der Bausektor. Er wartet auf Im-pulse aus Richtung Berlin, die bislang ausbleiben.
Beitrag zum Klimaschutz
Mit dem Energiepass, der spätestens im Jahr 2009 für alle Wohngebäude auf Verlangen vorgelegt werden muss, wurden Anreize für eine energetische Gebäudesanierung geschaffen. Ein unsaniertes Einfamilienhaus aus dem Jahr 1970 mit einer alten Heizung und einer Wohnfläche von 150 qm verursacht jährlich einen CO2-Ausstoß von 14 Tonnen. Nach der Sanierung zum Niedrigenergiehaus, so rechnet die Deutsche Energie-Agentur vor, verringert sich der Ausstoß auf unter drei Tonnen jährlich.
Der Klimaschutz hat nicht nur in der Politik, sondern auch unter der Bevölkerung einen hohen Stellenwert. Wer Wohngebäude nachrüstet, um Energie zu sparen, nimmt zunächst teilweise erhebliche Kosten für Material und Ausführung in Kauf. Auch Heimwerker mit kleinem Renovierungsbudget müssen sich diese Investitionen in die Zukunft leisten können. Ein verringerter Mehrwertsteuersatz auf Produkte für die energetische Gebäudesanierung ist nach Auffassung des BHB eine wirkungsvolle steu-erpolitische Maßnahme, um Bauherren zu entlasten.
Vieles wird teurer
Waren die Verbraucher noch vor wenigen Monaten nahezu euphorisch, was die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland anbelangt, so ist diese Euphorie inzwischen einer eher nüchternen Betrachtungsweise gewichen. Positive Meldungen wie die Entspannung am Arbeitsmarkt werden durch das Thema gefühlte Inflation überlagert. Derzeit liegt die Teuerungsrate bei 2,4 Prozent im Jahresdurchschnitt, so der mathematisch ermittelte Wert des Statistischen Bundesamtes. Viele Bundesbürger gewinnen jedoch einen ganz anderen Eindruck, wenn sie bei ihren täglichen Einkäufen mit gestiegenen Preisen für Lebensmittel oder höheren Ausgaben für Benzin konfrontiert werden. Wissenschaftler haben daher den „Index der wahrgenommenen Inflation“ entwickelt, um die Inflation so zu messen, wie man sie im täglichen Leben mit dem gesunden Menschenverstand erlebt. Im September lag demnach die wahrgenommene Inflation bei 5,8 Prozent und sie ist im Oktober weiter gestiegen.
Wachstumsfelder besetzen
Auch wenn die aktuelle Lage für den DIY-Handel in Deutschland wenig zufrieden stellend ist, so spricht einiges dafür, dass sich die Bedingungen für die Branche in Kürze wieder zum Besseren wenden. Das Marktpotenzial für DIY-Produkte ist deutlich höher als der gegenwärtige Gesamtumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte. Um den Marktanteil des DIY-Handels zu steigern, sind Differenzierungsstrategien gefragt und die gezielte Ansprache von über lange Zeit vernachlässigten Kundengruppen. Der vor kurzem zu Ende gegangene Internationale Baumarktkongress in Berlin hat zudem deutlich gemacht, welche Perspektiven der Markt für energetische Gebäudesanierung und weitere Energie sparende Maßnahmen gerade für die Baumarktbranche bietet. Mit Angeboten aus einer Hand, von der Beratung bis zur Ausführung, werden die Unternehmen zu unverzichtbaren Partnern ihrer Kunden und liefern einen wichtigen Mehrwert.
Belebung des Konsums ab 2008 erwartet
Der Einzelhandel erweist sich nicht selten als Spätzünder einer wirtschaftlichen Boomphase. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in ihrem Herbstgutachten damit, dass 2008 der private Konsum eine größere Stütze der Konjunktur sein wird und begründen dies mit den höheren verfügbaren Einkommen sowie den zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätzen. Auch der DIY-Handel wird davon profitieren
Für das Jahr 2007 rechnet der Verband nicht mehr mit einer spürbaren Erholung der Geschäftsentwicklung, ist aber für das kommende Jahr optimistisch, eine Trendumkehr erreichen zu können. Nicht wenige Anzeichen sprechen dafür.